Holzschutzmittel

Hier geht es nicht um die Chemie oder andere schwer verständliche Dinge sondern vielmehr um Fakten und  Fragen, die im Zusammenhang mit dem Einsatz von Holzschutzmitteln  von heute und früher stehen.

Was ist Holzschutz

Holzschutz ist ein Komplex von Maßnahmen, um den Baustoff Holz vor schädigenden Einflüssen wie Pilzen, Insekten, Wasser und UV-Licht oder auch Feuer zu schützen. Da ist der chemische Holzschutz mit geeigneten Holzschutzmitteln nur ein Teil neben dem baulichen und konstruktiven Holzschutz, der Pflege des Holzes, der Holzartenauswahl, des Zuschnittes u.a. Möglichkeiten.
Der Holzschutz ist – weil er bei Unterlassung auch zu Gefahren führen kann –  indirekt auch Bestandteil von Bauordnung (z.B. unter §3 (1)  LBauO M-V – Abwehr von Gefahr).
Holzschutz für andere nicht statische Bauteile ist in der Regel auf den Bläue-/Wetterschutz beschränkt, zwar nicht gefordert aber im Sinne des Erhaltes des Holzes ebenfalls wichtig. Dabei kommt es auf den richtigen Holzschutz an, so ist es z.B. völlig überflüssig Wandverkleidungen, Windabweiser oder Lattenzäune im aufwendigen Kesseldruckverfahrten zu imprägnieren wenn dafür auch eine gute Wetterschutzlasur ausreicht.

Holzschutzmitteldefinition

In der BRD ist der Begriff „Holzschutzmittel“ nicht gesetzlich definiert. Das ist u.a. ein Grund für die unübersehbare Zahl von sog. Holzschutz- (Wunder-) mitteln in unseren Baumärkten, die das Holz keinesfalls schützen können, weder vor Pilzen und Insekten, noch vor Wind und Wetter.
Es geht in dieser Information ausschließlich um solche „Erzeugnisse, die zum Schutz von Holz verwendet werden und zu diesem Zweck Stoffe gegen holzzerstörende und holzverfärbende Organismen, gegen Feuer oder andere Beeinträchtigungen enthalten.“ (Def. für Holzschutzmittel aus der schweizerischen Stoffverordnung von 1986).  D.h. dass sie immer biozide (abtötende) Wirkstoffe enthalten.
Diese Holzschutzmittel sind Bestandteil des regelmäßig aktualisierten Holzschutzmittelverzeichnisses des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBT. Andere wie dort enthaltene Mittel sollten prinzipiell durch Hand- und Heimwerker nicht zum Einsatz kommen und dürfen es schon gar nicht in Neubau und Sanierung, wenn nach Regelwerk gebaut werden soll.

Holzschutzmittel von heute

Die in Deutschland zum erlaubten Einsatz kommenden Holzschutzmittel sind in den vergangenen Jahren auf Grund vielseitiger Zwänge und Einflüsse in ihrer Aufwandmengen und ihren verwendeten Wirkstoffen  vielfach verändert  worden. Alle in o.g. Verzeichnis enthaltenen Mittel sind durch amtliche Materialprüfanstalten in ihrer Wirksamkeit , durch das Umweltbundesamt auf umweltschädliche  und durch das Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin auf gesundheitsgefährdende Beeinträchtigungen geprüft. Man muss und sollte gegenwärtig davon ausgehen, das von diesen Mitteln bei fachgerechter Anwendung keine Gefahren ausgehen können. Abgesehen von der Teerölverbotsverordnung und der PCP-Richtlinie gibt es auch keine rechtlichen  Argumente gegen die Verwendung dieser Mittel, sei es im vorbeugenden noch im bekämpfenden Holzschutz. Das Problem ist vielmehr die unsachgemäße Verwendung dieser Mittel durch sog. Fachbetriebe und die Verwendung der undefinierbaren Mittel mit unbekannten Wirkstoffen aus dem Baumarkt durch den Heimwerker. Ohne den nötigen Sachverstand werden vielfach  Holzschutzmittel  oder solche die sich so nennen unnötig und tonnenweise verwendet.

Holzschutzmittel von früher

In der Praxis handelt es sich vorrangig  um solche Holzschutzmittel, die insbesondere auf dem Gebiet der ehem. DDR  noch bis 1990 Holzschutzmittel eingesetzt wurden und  die u.a. DDT, Lindan oder PCP enthielten. Diese Stoffe stehen im Verdacht, gesundheitsschädliche Folgen zu haben. PCP ist deshalb lt. Richtlinie seit 1996 verboten, über der DDT und Lindan wird diskutiert, eine Richtlinie ist aber seitens des Gesetzgebers nicht geplant.
Entscheidend bei der Beurteilung von Dachstühlen und anderen Hölzern mit diesen Mitteln sind seriöse Untersuchungen und eine sachkundige Bewertungen der Ergebnisse.
Es muss  nicht jeder  mit diesen Mitteln behandelte Dachstuhl  zum Ausgangspunkt von aufwendiger  Sanierung, Abriss oder gar gesundheitlichen Beschwerden werden.
Eine erste Analyse und Auswertung ist einfach praktiziert und kostet nicht viel und kann doch dazu beitragen, dass Sanierungskosten oder vorhandene Ängste reduziert werden.

 

Holzschutz ja oder nein ?

Technische Grundlage für den vorbeugenden bzw. bekämpfenden Holzschutz aller tragenden und aussteifenden Bauteile ist die
DIN 68800 Holzschutz
Teil 1 „Allgemeines“ (Oktober 2011)
Teil 2 „Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau“ (Februar 2012)
Teil 3 „Vorbeugender Schutz von Holz mit Holzschutzmitteln“ (Februar 2012)
Teil 4 „Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten (Februar 2012).
Ein Unterlassen ist als Abweichung vom Regelwerk zu vereinbaren. Übrigens diskutiert niemand über den Brandschutz von Holzbalkendecken (der bauaufsichtlich streng kontrolliert wird), aber über den notwendigen Schutz vor holzzerstörenden Insekten und Pilzen wird immer wieder diskutiert. Mancher meint, das man sich den ersparen kann,  viele meinen, das sie den auch ausführen können, kaum einer kontrolliert das neue „bunte“ Holz und Mängel werden meistens erst nach Ablauf der Gewährleistung entdeckt, weil die kleinen Larven oder Pilze in ihrer Zerstörung eine Weile brauchen. Aber Tatsache ist, das mehr Schäden durch diese Lebewesen verursacht werden als durch Feuer, wenn auch langsamer.
Der bekämpfende Holzschutz des bereits  erbauten Holzes ist nach Teil 4 o.g. DIN geregelt, aber nicht bauaufsichtlich eingeführt. Deshalb ist immer im Einzelfall durch den Sachkundigen die Notwendigkeit solcher Maßnahme  zu beurteilen. Auch ein unnötig ausgeführter bekämpfender Holzschutz ist zu bemängeln, weil damit unnötig Wirkstoffe freigesetzt werden. Die meisten der in o.g. Verzeichnis aufgelisteten Holzschutzmittel dürfen ohnehin nur durch Fachbetriebe mit entsprechenden Sachkunde nach Gefahrstoffverordnung ausgebracht werden und nicht durch andere Baubetriebe „mal eben mit gemacht werden“.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Viele Bauherren und Architekten denken, wenn sie das grün oder orange oder braun oder anders bunte gefärbte Holz einbauen, damit dem  Thema Holzschutz  Genüge getan zu haben. Das dies aber nur Kontrollfarbstoffe sind und nichts mit dem Wirkstoff zu tun haben, wissen sie nicht und wundern sich später ( meist zu spät) über  die Schäden, die erst dann sichtbar werden, wenn sie kaum noch zu reparieren sind. Eine einfache durch einen Sachverständigen erfolgte und bewertete Analyse im Kostenumfang weniger hundert EUR schafft Vertrauen oder ist Anlass für Nacharbeiten.

Zukunft

Der Baustoff Holz erfreut sich innen und außen auf Grund seiner einzigartigen Eigenschaften zunehmender Beliebtheit. Deshalb sollte einem richtigen Holzschutzes auch  mehr  Bedeutung zugemessen werden. Den vielfachen  möglichen Varianten des baulichen Holzschutz wird dabei mehr Aufmerksamkeit gewidmet  werden müssen, aber auch auf den chemischen Holzschutz kann man  nicht überall verzichten.
Das dabei die Umwelt und die Gesundheit nicht zu kurz kommen und die Mittel und deren Anwendung nur noch in sachkundigen Händen liegt, versteht sich eigentlich von selbst.