Feuchte- und Salzanalysen

Mauerfeuchte und Mauersalze

Das diese beiden Begriffe zusammen behandelt werden ist nicht unbeabsichtigt, da sie  in einem direkten Zusammenhang mit den Schäden am Mauerwerk stehen.
Dies wird leider  oft vernachlässigt, so das viele  „Trockenlegungsarbeiten“ oder besser Mauerwerksinstandsetzungen (denn eigentlich können nur Babys „trocken gelegt“ werden) nicht von Erfolg gekrönt sind und es dann zur „Sanierung der Sanierung“ und zum Rechtsstreit kommt.
In  kaum einem Bereich des Bauwesens gibt es so viele „Fachunternehmen“ und „Spezialisten“ wie im Bautenschutz – speziell der Bauwerkstrockenlegung. Und doch müssen jährlich zahlreiche Schadensfälle gerichtlich und außergerichtlich geklärt werden, weil die versprochene trockene Wand eben doch nicht trocken ist.

Mauerfeuchte

Die Probleme beginnen mit  den Erklärungsversuchen, wann  eine Wand eigentlich trocken bzw. feucht ist. Der meßtechnisch ermittelbare Wert der sog. relativen Feuchte (d.h. wieviel % des Baustoffes bestehen aus physikalisch gebundenem Wasser)  sagt dazu so gut wie nichts aus. Denn eine Ziegelwand kann mit dem gleichen Wert als trocken eingeschätzt werden, während eine Beton- oder Feldsteinwand damit  völlig nass ist.
Aussagekräftiger ist der ebenfalls messtechnisch ermittelbare Wert des Durchfeuchtungsgrades (d.h. wieviel Prozent der max. möglichen Wassermenge im Baustoff bereits   enthalten sind).
Diese Größen werden bestimmt durch die im Baustoff enthaltenen Poren bzw. Kapillaren von unterschiedlicher Länge, Durchmesser und Art.
Eine weitere ermittelbare Größe ist die sog. Ausgleichsfeuchte, die auch bestimmt wird durch den Gehalt des Baustoffes an Salzen jedweder Art, die hygroskopisch (d.h. wasseranziehend) sind.
Dazu muss gleichermaßen der Gehalt an Salzen in Qualität und Quantität ermittelt werden.
Für diese komplexen Untersuchungen  stehen dem Sachverständigen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wobei die oft praktizierte Methode mit elektrischen Messgeräten  mit bunten Lämpchen oder digitaler Anzeige dazu nicht gehört, weil diese  völlig ungeeignet ist exakte Aussagen zu treffen sondern damit nur Tendenzen und Unterschiede erkannt werden können.
Es ist also für die fachliche und rechtliche Bewertung einer  „Trockenlegung“ nicht nur wichtig den Feuchtezustand des Mauerwerkes vor der Sanierung zu bestimmen sondern auch , wie trocken und bis wann  es denn werden soll.
Diese Werte sind mit den visuellen Feststellungen auf der Baustelle u.a. entscheidend für das Erkennen der Ursachen der Feuchtigkeit und der Festlegung der richtigen Maßnahmen.

Feuchtigkeitsursachen

Die vielfach zu hörende Meinung „das ist aufsteigende Feuchte – da müssen wir horizontal sperren“ entpuppt sich bei näheren Untersuchungen nach erneuten Schadensfällen als falsch, denn dies ist oft nicht die eigentliche oder einzige Ursache.
Dazu ist es wichtig das Zusammenwirken der versch. Einflüsse, die auf das Gebäude einwirken können, zu erkennen und zu bewerten.
In der rechten Zeichnung (auf meiner Homepage auch in Farbe zu sehen) sind diese Ursachen enthalten und benannt.
Hier ist der Sachverständige gefordert, durch geeignete Messungen und eigene Erfahrungen dies zu erkennen und zu bewerten.

Mauersalze

In vielen Fällen sieht man bereits die kristallinen Ablagerungen auf dem Putz oder dem Ziegel. Es heißt dann oft: „ das ist Salpeter“, dabei heißt dieses Wort nicht anderes als „Salz des Steines“ und kommt aus dem lateinischen (sal=Salz und petrae=Stein).
Dahinter verbirgt sich aber eine ganze Mischung von sog. bauschädlichen Salzen wie z.B. Nitraten, Sulfaten Chloriden oder Carbonaten.
Deren Ursachen können im Stein/Mörtel/Putz durch Beimengungen selber liegen aber auch in äußeren Einflüssen wie Frost-/Tausalze, Urin und andere Abwässer, Gips, Salze in Regenwasser und im Boden.
Der Wirkungsmechanismus der versch. Salzen im Mauerwerk ist annähernd der gleiche, auch wenn sie in ihrer Intensität und im Schädigungsgrad sehr unterschiedlich sind.
Durch die Aufnahme von Wasser (aus dem Baustoff oder der Luft) gehen sie in Lösung, wandern im Kapillargefüge des Mauerwerkes weiter aufwärts und kristallisieren bei Feuchtemangel wieder aus.
Durch ihr Aufwärtswandern wird oft fälschlicherweise die sog. aufsteigende Feuchte als Ursache benannt, die aber ohne den Einfluss der Salze kaum über einen Meter im Mauerwerk steigen kann.
Beim Kristallisationsprozeß der Salze entstehen enorme Drücke, die die Farbschichten zerstören, den Putz abplatzen lassen und auch Ziegel und Mörtel zersetzen.
Dabei spielen auch aus Unkenntnis an falscher Stelle eingesetzte Putzmaterialien wie Gips oder Kalk-Zement eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Feuchtigkeit und Schäden.
Auch wenn nicht oberflächlich sichtbar, sind oft Salze vorhanden und tragen zur Durchfeuchtung und Zerstörung des Mauerwerkes bei. Nur eine sachkundige Analyse und deren Bewertung kann eindeutige Aussagen für eine erfolgreiche Sanierung erbringen.

Sanierung (oder besser Instandsetzung)

So vielfältig die Ursachen für feuchte Wände sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten der Sanierung.
Es gibt für kein Problem dieser Art eine Patentlösung, auch wenn man in der Praxis oft erlebt, das mit einer neuen horizontalen Sperrung alle Probleme gelöst werden sollen.
Da die Tätigkeit eines „Bautenschützer“ (noch) nicht durch eine entsprechende anerkannte Berufsausbildung geschützt ist und es gegenwärtig immer noch einen hohen Bedarf an Leistungen zur Sanierung von feuchtem und/oder versalzenem Mauerwerk gibt, tummeln sich neben fachlich ausgebildeten und versierten Firmen auch genügend schwarze Schafe auf den Baustellen.
Das zeigt auch die hohe Anzahl von Firmen, die mit dem Vertrieb von sog. „Zauberkästchen“  nicht das Mauerwerk aber zumindestens ihr Schäfchen in`s Trockene bringen können.
Ob nun:

  • eine neue horizontale Mauerwerkssperre (mechanisch oder durch Bohrlochinjektion)
  • oder eine neue (bzw. funktionierende) vertikale Abdichtung unter Erdreich
  • oder ein sog. Sanierputzsystem
  • oder eine Negativabdichtung
  • oder eine Salzbehandlung
  • oder eine verbesserte Wärmedämmung
  • oder ein verändertes Lüftungsverhalten
  • oder eine neue funktionierende Drainage
  • oder einfach eine abzudichtende wasser-/abwasserführende Leitung
  • oder einfach die Entfernung von Putzbrücken über funktionierenden horizontale Sperrung
  • oder die Entfernung des falsch eingesetzten Gips- oder Kalk-Zement-Putzes
  • oder der Einsatz des Gel-Schleier-Verfahrens
  • oder der Einbau der fehlenden Hohlkehle
  • oder die Beachtung der verschiedenen Lastfälle ( z.B. drückendes Wasser)
  • oder eine Kombination dieser Möglichkeiten

die geeignete Maßnahme im jeweiligen Schadensfall ist; nur eine sachkundige Voruntersuchung und korrekte Planung sowie eine fachliche  Ausführung sichert den Erfolg, damit die Wand wirklich trocken wird und bleibt.