Abdichtung von Bauwerken

Hierbei geht es  um die Abdichtung neuer Bauwerke und um die nachträgliche Abdichtung vorhandener  Gebäude, die dabei gegenwärtig einen Anteil von  rd. 40 % ausmachen.

Was heißt „Abdichten“ ?

Zu einer Bauwerksabdichtung gehören alle Maßnahmen, die den Einfluss von Wasser und andere schädigende Mechanismen verhindern.
Das sind die Bodenabdichtung (des Fußbodens nach unten), die Querschnittsabdichtung (gegen die aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden), die Sockelausbildung (gegen Regen-Spritz-wasser im Erdbereich) und die Wandabdichtung (vertikal gegen seitlich eindringendes Wasser unter Erdreich).
Dabei geht es immer um „Abdichten“ und nicht um „Trockenlegen“.
Es kann kein Haus wie ein Baby „trocken gelegt werden“, es wird nur verhindert, dass neue Feuchtigkeit   nach kommt, das Trocknen muss  durch Verdunstung  von allein geschehen bzw. durch  unterstützende Maßnahmen beschleunigt werden. Dies betrifft übrigens auch die sog. Baufeuchte bei Neubauten.
Entscheidend bei allen Abdichtungsarbeiten ist die gründliche Planung, die über die Beachtung der Wasserverhältnisse im Boden (sog. drückendes Wasser ja/nein), die Beachtung des abzudichtenden Untergrundes (Tragfähigkeit, Saugverhalten, Risse, Mauerwerksaufbau), die Untersuchung des Feuchte- und Salzgehaltes im Mauerwerk bis zur Auswahl des geeigneten Abdichtungsmaterials geht.

Abdichtung im Baurecht

Die LbauO M-V verlangt im § 13 – Schutz gegen schädliche Einflüsse-  auch den gegen Wasser und Feuchtigkeit und im § 3 die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRT) sowie die Verwendung  von bestimmten Bauprodukten (geregelte, ungeregelte, ….).
Dagegen ist aber von den vielfältigen existierenden DIN-Normen zum Feuchteschutz von Gebäuden z.B. in M-V  keines in der Liste der Technischen Baubestimmungen erfasst, damit nicht bauaufsichtlich eingeführt und verbindlich gemacht.
Die daraus z.T.  resultierende Rechtsunsicherheit führt bei Planern und Unternehmen in der täglichen Arbeit oft zu Problemen, denn sie sind (wegen des geschuldeten Erfolges) verpflichtet,  nach den aaRT  zu arbeiten.
Und über den Inhalt der aaRT  in Bezug auf die bei den verscheidenen Abdichtungen anzuwendenden Technologien und Materialen scheiden sich nicht nur die Geister sondern auch Fachleute, Hersteller, Sachverständige und Juristen.
Selbst Normen zur Bauwerksabdichtung sind bezüglich ihrer Anwendung in der Altbausanierung umstritten (für die sie eigentlich nicht gelten).
Lediglich die Einbeziehung von Normen und Baustoffen für die Abdichtung in die Bauregellisten  schaffen eine gewisse Klarheit, was zu den aaRT zählt.

Bodenabdichtung

Die Abdichtung der Bodenplatte gegen aufsteigende Feuchtigkeit oder auch drückendes Wasser nach DIN 18195  ist im Regelfall kein Problem und kann durch verschiedenen Maßnahmen realisiert werden. Entscheidend sind eigentlich nur die Beachtung der  Wasserverhältnisse (besonders der Fall des drückenden Wassers oder Grundwassers) sowie eine  fachlich exakte Anbindung dieser Dichtung an die Querschnittsabdichtung der Umfassungswände, wobei die meisten Fehler gemacht werden.
Noch ein Hinweis an dieser Stelle: der vielfach  in diesen Bereichen eingesetzte sog. „WU-Beton“ (wasserundurchlässiger Beton) ist keine regelgerechte  Abdichtungsmaßnahme, da dieser nicht wasserdicht ist, denn WU-Beton ist wasserdampfdurchlässig und so können auf einen m² Bodenfläche pro Tag schon gut 2 – 4 cl Wasser zusammen kommen und den Boden befeuchten.

Querschnittsabdichtung

Sie wird im allgemeinen auch als Horizontalsperre bezeichnet und ist nach Regelwerk zwingend in alle Außenwände einzubauen, um das Mauerwerk gegen die aufsteigende Feuchte zu schützen.
Während die Ausführung im Neubau durch Dichtungsbahnen oder auch durch mineralische Schlämmen einfach zu realisieren  ist und kaum zu Problemen führt, ist deren nachträglicher Einbau in Altbauwände komplizierter und immer wieder durch Planungs- und Ausführungsfehler Anlass zu Streitigkeiten über deren Wirksamkeit.
Die notwendigen Voruntersuchungen über den Mauerwerksaufbau, den Durchfeuchtungsgrad, den Salzgehalt u.a. werden oft vernachlässigt und es wird versucht, eine Standardlösung zu praktizieren.
Von den vielen Praktiken seien genannt: mechanische Verfahren (Mauersägen, Einschlagen von Blechen, Unterfangungen, Maueraustausch), chemische Verfahren (Injektionen mit und ohne Druck verschiedenster Flüssigkeiten wie Paraffin, PUR-Harze, Schlämme, sowie eine Reihe von chemischen Verbindungen von Alkalisilicat bis zur Siliconmikromulsion) die mittlerweile ausgereift sind und zu den aaRT zählen.
Die auch noch auf dem Markt befindlichen elektrophysikalischen Verfahren sind mit Recht in ihrer Wirksamkeit umstritten. Es gibt bis dato keine wissenschaftlichen Belege dafür. Trotzdem gibt es in Form und Farbe unzählige Varianten der sog.  „Zauberkästchen“, deren Erwerb man sorgfältig prüfen sollte.

Sockelausbildung

Hierbei geht es darum, den Bereich des Einflusses von Spritzwasser über dem Erdreich ( nach o.g. DIN mind 30 cm) mit geeigneten Materialien so abzudichten, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann und das Mauerwerk somit oberhalb der o.g. Querschnittsabdichtung befeuchtet. Eigentlich ist die Sockelabdichtung ein Teil der nachfolgend beschriebene Wandabdichtung oberhalb des Erdreiches, ist aber aus vielerlei Gründen (vor allem optischen) mit anderen Materialien zu gestalten. Leider wird sie aber aus den gleichen Gründen oft aus den falschen Materialien und damit unwirksam errichtet.

Wandabdichtung

Sie ist diejenige, über die die größte Menge des Wassers in den Baukörper dringt, wenn sie nicht funktioniert. Sie wird im Regelfall von außen auf der Wand aufgebracht und nur im Ausnahmefall – wenn z.B. von außen keine Zugänglichkeit besteht – auch von innen als sogenannte Negativabdichtung (aber mit entsprechenden Nachteilen).
Die für die auch Vertikalabdichtung genannte einzusetzenden Materialien (für den Neubau) sind in der DIN 18195 benannt, wobei die seit Jahrzehnten eingesetzten Bitumendickbeschichtungen (als geregelte Bauprodukte) erstmalig aufgeführt sind und damit neben den Dichtungsbahnen ihre Existenzberechtigung erfahren haben.
Fehler in der Ausführung werden oft erst nach Ablauf der Gewährleistung sichtbar, die dann durch Sachverstand aufgedeckt werden müssen.
Komplettiert wird diese Wandabdichtung durch definierte Drän- und Schutzbahnen, Dämmstoffe oder Dränanlagen, deren Ausführung jedoch oft fehlerhaft ist.